Essen, Stillen
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Stillen statt Brei

stillenstattbrei

Soviel entspannter

Stillen ist eine wundervolle Erfahrung. Etwas positives und schönes, was leider viel zu oft missbilligt wird, sobald das Kind älter als sechs Monate ist. Unwissenheit, sowie Beeinflussung durch Werbung und Medien führen dazu, dass Mütter ihren Kindern zwischen vier und sechs Monaten den ersten Brei füttern. In der Vorstellung, ihnen damit etwas Gutes zutun. Die offensichtlich ablehnenden Signale des Kindes, wie Zungenstoßreflex und wegdrehen, werden häufig einfach übergangen.

Ich weiß, es ist schwierig in einer Generation aufzuwachsen, deren Mütter selbst nie wirklich gestillt haben. Auch meine Verwandten fragten mich nach 8 Monaten offensichtlich irritiert, ob ich denn wirklich IMMER NOCH voll stille. Ja, das tat ich. Mein Mädchen wurde 10 Monate lang voll gestillt. Sie interessierte sich bis zu diesem Alter, nicht wirklich für die Dinge, die wir aßen. Erst danach fing sie an zu experimentieren, herumzuknabbern und kostete alles was ihr in die Finger kam. Von satt essen, oder gar dem Wegfall einer Stillmahlzeit, war sie noch weit entfernt. Gleichzeitig begann sie trinken zu üben, meistens in der Badewanne oder beim Planschen. Sie experimentierte mit Schälchen, Löffeln und Händen... Seit sie ca. 14 Monate alt ist, beobachte ich, dass sie trinkt, wenn sie Durst hat (Leitungswasser). Sie trinkt dann richtig große Züge, nicht nur ein Schlückchen, wie zuvor. Seit sie ca. 15 Monate ist, werden auch ihre Mahlzeiten größer und ausgiebiger. Sie hat Freude am Essen, wird nie zu etwas gezwungen und muss auch keine bestimmte Menge essen. Ansonsten wird sie weiterhin gestillt. Sie ist jetzt 16 Monate alt.

Brei war nie ihr Ding. Wir haben es ein paar mal probiert und ihr irgendwie viel zu sehr aufgezwungen. Ich bereue es inzwischen. Ich war verunsichert, weil doch jeder offenbar erwartete, dass sie sich riesig über Brei freuen würde. Oft kam dann auch das Argument, sie würde sofort besser schlafen, mit Brei statt Milch am Abend - das ist natürlich Quatsch. Jedenfalls ließen wir sie schnell wieder in Ruhe. Sie war ein friedliches und ausgeglichenes Kind, wenn ich sie stillte, so oft sie es verlangte. Warum also sollte ich das ändern wollen?!

Nicht nur ist Babybrei ein Produkt, was jungen Müttern mithilfe schlechtem Gewissens aufgeredet wird, um Geld zu machen. Es schädigt außerdem die Mutter-Kind-Beziehung in hohem Maße. Kinder wollen gestillt werden. Sie brauchen es, nicht nur als Nahrung. Stillen ist soviel mehr als Milch. Ein Kind möchte sich geborgen, sicher, aufgenommen, geliebt und beschützt fühlen. All das erfährt es auch beim Stillen.

Unfassbar viele weitere Gründe sprechen für das Stillen. Gründe wie:

  • Stillen ist immer und überall möglich, ohne großen Aufwand.
  • Stillen ist ein wundervolles, bestens funktionierendes Einschlafritual.
  • Stillen ist kostenlos.
  • Stillen ist bei Krankheiten zur Nahrungsaufnahme und zum Trösten unablässlich.
  • Stillen ist soviel entspannter, als 2-3h des Tages mit Breizubereitung und Füttern zu verbringen.
  • Stillen ist natürlich. Das biologische Abstillalter liegt zwischen 4 und 6 Jahren.
  • Wer stillt, vermeidet etwas Müll, Energieverschwendung und Abgase.
  • Stillen ist die perfekte Nahrung für dein Kind.

Und der wichtigste Punkt:

  • Stillen ist schön.

Der Einzige Grund, sein Kind nicht solange zu stillen wie es möchte, ist die gesellschaftliche Abneigung und fehlende Weitsicht. Deshalb traut euch. Bitte traut euch. Es wird euren Kindern gut gehen. Und euch erst!

4 Kommentare

  1. Viele Punkte die aufgeführt sind stimmen so einfach nicht, ich verstehe aber, dass man, wenn einem das Stillen gefallen hat, es so sieht. Ein Punkt, der aber ganz objektiv bewertet werden kann, ist „Stillen ist kostenlos“. Das ist nämlich einfach nicht wahr.
    Wenn man große Brüste hat, braucht man einen verbünftigen Still-BH. Ohne geht es einfach nicht. Niemand wird in der Öffentlichkeit stillen, wenn man sich komplett ausziehen muss, man braucht ihn also wirklich. Was kostet ein ordentlicher Still-BH? Mindestens 50€! Wie viele braucht man? 2-3 Stück.
    Dann Stilleinlagen. Bei ordentlichen Milch-Überschuss verbraucht man so einige, und die aus Stoff jucken und kratzen. Vielleicht hattest du das Problem ja nicht….
    Außerdem besteht Muttermilch unweigerlich aus Kalorien. Alle Kalorien die aus der Mutter rausfließen, müssen auch irgendwo reingekommen sein. Die Milch entsteht ja schließlich nicht aus Luft. Also muss die Mutter mehr Kalorien aufnehmen (=mehr essen). Dadurch müssen mehr Lebensmittel eingekauft werden. Es sei denn, die Mutter nimmt beim Stillen ab (Ich habe nicht mehr gegessen und war innerhalb von 3 Monaten 10kg unter dem Pre-Schwangerschaftsgewicht.) Diese Kosten fallen nicht so sehr auf, sie sind aber da! Das Stillen umsonst ist stimmt also wirklich nicht. Gerne kann man mich vom Gegenteil überzeugen. Wie stillen zB Frauen mit großen Brüsten ohne Still-BH?

    Wenn man übrigends noch die Kosten einer Milchpumpe dazurechnet steigen die Kosten noch weiter.

    • Natürlich genieße ich es sehr, mein Kind zu stillen. Es ist für mich eine der schönsten und fundamental ehrlichsten und aufrichtigsten Arten und Ausdruck von Liebe überhaupt. Ich sehe deshalb ein, dass ich sicherlich oft subjektiv und euphorisch darüber schreibe. Weil ich nicht anders kann 😉

      Einen Still-BH benutze ich nicht, das war mir zu unpraktisch und die Verschlüsse haben mich beim Tragen und Kuscheln gestört. Ich benutze inzwischen nur noch Sport-BHs und kann diese sehr empfehlen.
      Ich hatte zu Beginn der Stillzeit auch einen ordentlichen Milch-Überschuss (Artikel wird folgen), ich benutzte die Baumwoll-Stilleinlagen zum waschen und war damit sehr zufrieden. Sie haben mich auch nicht gejuckt. Vielleicht hattest du die Woll-Variante? Die hätte ich vermutlich auch nicht vertragen…
      Das ich mehr gegessen habe, stimmte für die ersten 4 Monate. Danach hat sich mein Bedarf irgendwie wieder bei „normal“ eingepegelt… Ich habe auch abgenommen, aber nur 2 kg…

      Falls man eine Milchpumpe benutzen muss (ich musste wegen Stillproblemen 2 Monate auch zusätzlich abpumpen), kann man sich für 1€ pro Tag (zumindest bei uns) eine sehr sehr gute Stillpumpe aus der Apotheke leihen. Sollte es medizinisch notwendig sein, bekommt man sogar ein Rezept vom Frauenarzt und die Kosten somit zurückerstattet.

      Danke für dein Interesse am Thema, ich finde es schön andere Meinungen zu hören!
      Liebe Grüße
      Lisa

  2. Vielen Dank für deine Antwort. Ja, ein wenig euphorisch klingt es tatsächlich 😉
    Es geht tatsächlich günstiger, allerdings nur wenn man sich wirklich Mühe gibt.
    Über das Leihen von Milchpumpen herrscht glaube ich auch Informationsmangel. Ich kenne das nur so, dass man die leihen darf, wenn der Arzt es vorschreibt, aber nich „zum Spaß“ weil man sich einen Vorrat anlegen will um mal kurz wegzugehen ohne die ganze Zeit Panik haben zu müssen, dass das Kind Hunger hat.
    Also halten wir fest, es ist schon nicht ganz kostenlos, aber wie viel es dann tatsächlich kostet hängt von einem selber ab.

    • Meine Apotheke hatte nichts dagegen, mir die Pumpe „zum Spaß“ für einen Tag zu leihen 😉 Ganz ohne Rezept.

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