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Eingerissene Brustwarze – Was Tun?

donutdiy

Ein Erfahrungsbericht

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, denn viel zu oft ist eine eingerissene Brustwarze der Grund zum Abstillen. Das Wissen um die richtige Behandlung ging verloren und oft wirken gut gemeinte Tipps sich äußerst negativ aus. Ich selbst hatte inzwischen zweifach Risse in meiner Brust und kämpfte monatelang mit ihnen. Ich habe so gut wie alles gelesen und probiert, was man tun kann. Hier sind meine Erfahrungen.

Die Ursache
Zunächst einmal ist es wichtig zu klären, weshalb der Riss entstand. Das ist allerdings nicht immer einfach. Alle sagten mir es liege sicher an der falschen Anlegetechnik. (Eine sehr gute Beschreibung zum richtigen Anlegen findet ihr
hier.) Doch nachdem 3 Hebammen und 2 Stillberaterinnen mir beim stillen zusahen und auch ich in meiner online Recherche keinen Fehler fand, war das schon mal ausgeschlossen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass meine Brust ihrer neuen Aufgabe einfach noch nicht gewachsen war und hoffentlich in den nächsten Wochen robuster wurde. (Ich hatte wahnsinnige Angst, nach jedem minimalen Heilungsfortschritt wieder alles durch falsches Anlegen zu zerstören. - Inzwischen hatten mir alle deutlich gesagt, dass derart tiefe Risse nicht normal seien...(wie einfühlsam, das hat mich auch überhaupt nicht unter Druck gesetzt...))

Ich stelle also fest, es gibt folgende Gründe für Risse:
Falsche Anlegetechnik, sensible Haut, Infektion der Brust, Bisse durch Zähne (auch letzteres habe ich schon erlebt, ein dummer Fehler meinerseits führte dazu)

Wie groß sind die Schmerzen?
Bevor man sich für eine Behandlungsvariante entscheidet muss man sich fragen, wie groß die eigenen Schmerzen sind. Das klingt seltsam, doch ist es von Bedeutung. Kann man sich vorstellen weiterhin mit der betroffenen Brust oder den beiden betroffenen Brüsten zu stillen? Wenn ja, wie oft? Die ganze Zeit? Nur Tagsüber? Vielleicht unter Schmerzen aber doch noch einmal am Tag? Hier gibt es einiges abzuwägen, denn je länger die Brust „in Ruhe“ gelassen wird, desto schneller heilt sie.

Weiterstillen wenn es geht
Sofern nur eine Seite betroffen ist und das Baby beide Seiten akzeptiert, kann einfach nur auf der gesunden Seite gestillt werden. Das klappt völlig ohne Probleme, die Milchproduktion auf dieser Seite wird sich schnell dem Mehrbedarf anpassen. Wichtig ist allerdings nicht zu vergessen, die eingerissene Seite dennoch zu leeren. Am besten in größeren Stundenintervallen (z.B. alle 6h statt alle 4h), um möglichst lange „Heilpausen“ einzulegen. Hierfür kann eine Milchpumpe praktisch sein. (Keine Angst - abpumpen mit einer guten Milchpumpe ist viel (!) weniger schmerzhaft, als stillen. Milchpumpen kann man in vielen Apotheken für wenig Geld auch wochenlang ausleihen.) Meist reicht es aber auch, einfach per Hand auszustreichen.

Die Heilung
Ihr habt euch also entschieden, ob und wie oft ihr weiterstillen wollt. Dann könnt ihr jetzt entscheiden, welche Heilungsvariante für euch passt. Prinzipiell gibt es zwei Arten zu heilen, feucht oder trocken. Nachdem ihr diese Verfahren anwendet, sollte der Riss innerhalb weniger Tage abheilen. Spätestens nach 3 Tagen sollte eine deutliche Besserung erfolgen. Ist dies nicht der Fall, wurde die Ursache noch nicht behoben.

Feuchte Wundheilung
Diese Variante der Heilung kann ich empfehlen, wenn ihr NICHT mit der betroffenen Brust weiter stillt. Die permanente Feuchthaltung der Wunde bewirkt zwar ein schnelles schließen der Wundfläche, sorgt jedoch auch dafür, dass das Gewebe durchweicht und äußerst anfällig wird. Wird nun gestillt, so entsteht ein noch breiterer und tieferer Riss als zuvor. Eine wahnsinnig wichtige Information! Die nirgendwo steht?! Wochenlang habe ich mich gequält und nicht verstanden, warum die Risse immer tiefer, immer schlimmer wurden....

Habt ihr also wirklich nicht vor, bis zum Abheilen der Wunde zu stillen, dann habt ihr hier folgende Produkte zur feuchten Wundheilung:

  • Lanolin - hier gibt es verschiedenste Ausführungen. Meiner Erfahrung nach lohnt es nicht, in hochgereinigtes Lanolin zu investieren. Günstigere Produkte, welche auch Sonnenblumenöl enthalten, haben den gleichen Effekt. Sie halten die Wunde feucht.
  • Abdeckende Produkte - das sind Hydrogel Pads von Medela, Mepilex Pflaster oder Multi-Mam Kompressen. Alle sorgen dafür die Wunde zu schützen und ein austrocknen zu verhindern. Im Kühlschrank gelagert, haben sie einen angenehmen, hautberuhigenden Effekt.

Trockene Wundheilung - meine Rettung
Mit dieser Methode könnt ihr weiterstillen. Es bedarf aber Disziplin. Im Prinzip macht ihr also gar nichts mit der Wunde. Ihr wascht sie maximal einmal täglich mit milder Seife und lauwarmen Wasser. Der springende Punkt ist tatsächlich ein Brust-Donut und pingelig genaues Ausrichten des Risses beim Anlegen.

  • Der Brust-Donut verhindert, dass eure Brustwarze beim Tragen eures Babys etc. berührt wird (was unglaublich schmerzhaft ist, ich weiß!) und sorgt außerdem für viel Luft an der Wundfläche. So ein Brust-Donut ist zum Glück auch ganz einfach selbst gebastelt! (Anleitung siehe Bild)
  • Beim Anlegen muss der Riss UNBEDINGT und JEDESMAL im Mundwinkel des Babys liegen. Nur hier ist der Druck und die Reibung am geringsten und die Brust hat irgendwie eine Chance zu heilen... Sollte der Riss zu groß sein, dann versucht ihn im Oberkiefer des Babys zu platzieren.

Weiteres
Nun gibt es noch einige Produkte und Therapien, von denen ich nichts halte. Was und warum lest ihr hier:

  • Stillhütchen - das sind Silikonhüllen für eure Brustwarze. Nicht nur wollen ältere Babys sowieso nicht davon trinken, meistens reiben sie so stark, dass die Beanspruchung größer ist als ohne.
  • Heilwolle - ist eventuell geeignet für leicht wunde Brustwarzen, aber nicht für offene Wunden wie Risse.
  • Schwarzteebeutel - Hausmittel-Kokolores... Sie brannten in meinen Wunden. Das kann nicht sinnvoll sein.
  • Laser-Therapie - wird meistens im Krankenhaus gemacht. Für 15 Minuten werden Laserstrahlen auf die betroffene Stelle gerichtet. Danach brannte und kribbelte die Wunde zwei Tage lang. Angeblich soll es die Zellteilung anregen. Ich habe fünf Sitzungen in Anspruch genommen und keinerlei Verbesserung bemerkt.

Wie ihr seht, ist die Heilung eines Risses ein riesiges Thema mit allerlei Mittelchen, die alle angeblich Wunder vollbringen. Wie auch bei Erkältungen beweist die Fülle der Mittel am Markt, das keines wirklich hilft. Ich kann euch nur raten auf „Luft & Liebe“ zu setzen. In dem Fall also auf Luft & die korrekte, am wenigsten beanspruchende Anlegeposition. Haltet durch. Es wird besser.

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Im Text erwähnte Produkte:

Purelan, Stillhütchen & Hydrogel Pads
Multi-Mam Kompressen

3 Kommentare

  1. Anika sagt

    Durch Zufall bin ich auf Deinen Blog gestoßen. Das Thema Eingerissene Brustwarzen kenne ich leider auch nur zu gut. Meine Kleine ist jetzt 12 Wochen alt. Von Anfang an hatten wir verschiedenste Schwierigkeiten beim Stillen, bis sie dann nach 5 Wochen ganz normal an die Brust ging. Leider habe ich dann in der linken Brustwarze einen sehr tiefen Riss bekommen und nach wenigen Tagen eine Brustentzündung. Nur wenige Wochen später hatte ich die zweite Brustentzündung die dann 6 Tage im Krankenhaus behandelt wurde. Dort wurde mir die Weleda Mercurialis Perennis Salbe für die Wunde gegeben, mit der ich gut Erfahrungen gemacht habe. Zusätzlich habe ich diese Seite abgepumpt. Der Riss ist nun verheilt und ich kann seit ein paar Tagen wieder stillen.

  2. Franziska sagt

    Liebe Lisa,
    normalerweise bin ich eine stille Mitleserin. Aber jetzt muss ich dir einfach schreiben.

    Ich hab mich (zum Glück nur eine Woche!) genau mit dem von dir beschrieben Problem geplagt.
    Eine kleine Wunde wurde zu einem immer schmerzhafteren und immer größeren Riss.
    Ich habe eine Packung Multi-Mam Kompressen, Lanolin-Salbe und Heilwolle probiert. Es wurde nicht besser, die Wundränder schlossen sich aber rissen beim nächsten Stillen immer wieder auf.
    Stillen auf der betroffenen Seite war eine Qual! Ich habe größten Respekt, dass du das so lange ausgehalten hast und trotzdem nicht abgestillt hast. Denn ich habe schon darüber nachgedacht…

    Dann habe ich deinen Artikel gelesen. Vor 2 Tagen, nach fast 9 Tagen Schmerzen habe ich angefangen die trockene Wundheilung zu probieren.
    Eigentlich rückblickend die einzig logische Variante. Außerdem muss die Wunde von innen heraus heilen und nicht über Berühren der Wundränder. Dass die Brustwarze durch BHs und Stilleinlagen zusammen gedrückt wird muss auf jeden Fall vermieden werden.

    Ich kam zwar mit dem Brustdonut nicht zurecht (ich habe zu viel Milch was das Problem erst verursacht hat, da mein Kleiner oft Stress beim Trinken hat, und der Donut zu viel Druck auf die volle Brust ausgeübt hat), aber einfach nicht mehr cremen (wo ich in Leben nicht drauf gekommen wäre, dass das alles nur noch schlimmer macht!), sondern zu Hause keinen BH und ein weites Shirt tragen (für unterwegs habe ich eine Milchauffangschale benutzt) und kaum 2 Tage später sieht die Wunde so viel besser aus und Stillen ist bis auf einen winzigen kurzen Schmerz (echt aushaltbar) beim Andocken wieder angenehm!

    Ich danke dir so sehr!

    Dankbare Grüße (und ich hoffe du liest den Kommentar noch, der Artikel ist ja schon etwas älter…)

    • Lisa sagt

      Oh das freut mich so sehr! Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und deine Zeit! Eine wunderschöne Stillzeit euch noch!

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